Entwicklung im Niedriglohnsektor bremsen – Fortbildung und Verantwortungsgefühl stärken
Mehr als 20 Prozent der Deutschen Arbeitnehmer und Angestellten sind Niedriglohnbezieher. Dies ergibt eine neue Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Besonders Minijobber/innen, gering Qualifizierte, Ausländer/innen und zum
Teil auch Personen unter 25 Jahren sind überproportional gefährdet, im Niedriglöhnen zu arbeiten. Auch befristete Beschäftigungsverhältnisse beinhalten häufig Lohnvereinbarungen, welche innerhalb unterhalb von 9,62 € (West) und 7,18 € (Ost) liegen. Beide Zahlen sind die offiziellen Niedriglohn-Grenzwerte für die Alten und Neuen Länder.
Die Liberalen Arbeitnehmer sehen im Rahmen dieser Studie Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Verantwortung. „Arbeitnehmer sollten versuchen, sich mit Hilfe von Arbeitgebern und Ländern regelmäßig und konsequent fortzubilden, um ihre Beschäftigungschancen zu erhöhen und zu sichern. Dies gilt insbesondere in Sachsen, wo es bislang kein Recht auf betriebliche
Fortbildung gibt. „Die Maxime muss hier lauten: Nur wer gut qualifiziert ist, steigert seine Chancen auf einen beruflichen Aufstieg und eine attraktive Entlohnung“, analysiert Wolfgang Lesch, Vorsitzender der Liberalen Arbeitnehmer Sachsen, die aktuelle Debatte. „Der Druck
am unteren Ende der Lohnskala wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen und die Lohnentwicklung langfristig hemmen“.
Die Mitglieder des Vereins sehen aber auch Arbeitgeber und Politik in der Pflicht. Die Löhne in Ost- und Westdeutschland müssen endlich angeglichen werden. Die Produktivitätskennziffern haben sich längst egalisiert. Es gibt damit keinen Grund, die Lohnschere länger offen zu halten. „Wenn die Theorie stimmen würde, nach der niedrigere Löhne verstärkt Investitionen anziehen und zu einem Arbeitsplatzaufbau führen, dürfte es in den Neuen Ländern keine zweistelligen Arbeitslosenquoten geben“, so Lesch weiter.
Zudem bestreiten einige Firmen bereits heute ein fragwürdiges Spiel mit ihrer Belegschaft. „Wenn in der Dienstleistungsbranche weniger als drei Euro pro Stunde – sittenwidrige Löhnegezahlt werden, dann muss die Frage nach dem Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitsempfinden dieser Unternehmer gestellt werden. Beide Seiten sind aufeinander
angewiesen und sollten dies bei der Tarifpolitik auch deutlicher als bisher zeigen. Wir lehnen eine Vergesellschaftung der Arbeits- und Lohnkosten zu Gunsten der Arbeitgeber entschieden ab“, so Lesch weiter.
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